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Was geht mich die Zerstörung des Regenwaldes an? |
12 Fragen - 12 Antworten:
Holz aus heimischen Wäldern ist als natürlicher und nachwachsender
Rohstoff umweltfreundlich und zeitgemäß. Doch gilt das auch für
Tropenholz?
Nach Jahren des Boykotts und der Aufklärungsarbeit durch
Umweltschützer waren Produkte aus Tropenholz lange Zeit Synonym für
Raubbau und Plünderung. Als Folge gingen deren Verkaufszahlen
drastisch zurück. Inzwischen hat die Branche ihr Image aufpoliert.
Geworben wird mit Tropenholz aus Plantagen und „nachhaltiger
Waldwirtschaft“. Auf Gartenmöbeln, Frühstückbrettern und
Besenstielen kleben angebliche „Ökosiegel“ und „Zertifikate“. Die
KonsumentInnen sind verunsichert, viele Firmen und Kommunen ratlos.
Darf Tropenholz inzwischen wieder guten Gewissens gekauft werden?
Rettet den Regenwald sagt ganz klar: Nein! Nachfolgend zwölf
Antworten auf wichtige Fragen zum Thema Tropenholz.
1. Was versteht man unter Tropenholz?
Hölzer, die aus den tropischen und subtropischen Regenwaldgebieten
in Asien, Afrika und Lateinamerika stammen. Hinter Bezeichnungen wie
„Edelholz“, „Hartholz“, „Echtholz“ und „Massivholz“ verstecken sich
meist tropische Hölzer. Edles Mahagoni, Teak und Palisander, oder
billiger Meranti, Ramin und Gabun, alle stammen sie aus dem
Regenwald. In der Regel werden sie im Alltag verwendet: als
Sperrholz, Besenstiel, Fensterrahmen, Klodeckel oder Lärmschutzwand.
All das lässt sich auch aus heimischen Hölzern herstellen.
2. Ist die Vernichtung der Tropenwälder wirklich Folge des
Holzeinschlags?
„Nachhaltigen“ und „selektiven“ Holzeinschlag im Regenwald gibt es
leider nicht. Mit solchen Schlagwörtern versucht die Holzindustrie,
die Öffentlichkeit zu täuschen. Im Regenwald regieren Bulldozer und
Kettensäge ohne Rücksicht auf die Folgen. Um schnellen Profit zu
machen, wird alles vermarktbare Holz rausgeholt und die Vegetation
plattgewalzt. Gravierende ökologische Veränderungen und
Biodiversitätsverlust sind in den hochkomplexen, sensiblen
Lebensräumen die Folge.
3. Was geht mich die Zerstörung der Regenwälder an?
Die Vernichtung der tropischen Wälder bedroht uns alle, denn sie
sind unersetzlich für ein stabiles Weltklima. 20 % der weltweiten
klimaschädlichen Emissionen gehen auf das Konto der Waldrodung.
Allein der Wald am Amazonas speichert 120 Milliarden Tonnen
Kohlenstoff. Viele Tropenländer sind aufgrund der Regenwaldrodung zu
den weltweit größten Klimaanheizern aufgestiegen – Indonesien liegt
an dritter, Brasilien an vierter Stelle. Die Regenwälder speichern
auch gewaltige Wassermengen. In der „grünen Lunge der Erde“ leben
schätzungsweise 30 Millionen Tier- und Pflanzenarten, ein riesiges
genetisches Reservoir.
4. Warum Tropenholz, wenn es doch genügend heimisches Holz
gibt?
Tropenholz ist zumeist preiswerter als qualitativ vergleichbare
heimische Arten, weil die Bäume im Regenwald nicht erst angepflanzt
wurden, sondern die Natur quasi „kostenlos“ geplündert wird. Zudem
werden immer mehr Holzprodukte aus den Tropenländern importiert.
Dort sind die Löhne niedrig, und die Menschen haben nicht die
gleichen Rechte wie bei uns. Das drückt die Preise, geht aber auf
Kosten von Mensch und Natur. Deshalb heimische Hölzer verwenden
anstatt Tropenholz aus Raubbau und dubioser Herkunft.
5. Stimmt es, dass die Holzindustrie der Wegbereiter für
Brandrodung und Besiedlung ist ?
Die von der Holzindustrie begehrten Baumriesen wachsen nur noch in
unzugänglichen Gebieten. Um an das Holz heranzukommen, dringen die
Konzerne in die letzten unberührten Primärwälder ein. Bulldozer
schieben breite Schneisen für den Bau von Strassen, Brücken und
Holzsammelplätzen im Wald frei. Riesige Forstschlepper fahren kreuz
und quer durch den Regenwald und ziehen die schweren Stämme heraus.
So wird der empfindliche Urwaldboden zerstört und Wurzeln und Rinde
der stehengebliebenen Bäume beschädigt. Auf den Holzfällerstraßen
dringen Wilderer und Siedler in den Wald ein und zerstören ihn.
6. Schafft die Holzindustrie in den Tropenländern dringend
benötigte Arbeitsplätze?
Das Gegenteil ist der Fall, denn der Holzhandel vernichtet die
Lebensgrundlage der Menschen in den Tropen. Kurzfristig schafft die
Branche Arbeitsplätze für einige wenige Arbeiter, zerstört aber
langfristig die Lebensgrundlage der Mehrheit der Menschen. Holz
macht nur einen kleinen Teil des „Wertes“ der Regenwälder aus. Der
Wald liefert seinen Bewohnern Nahrung, Medizin, Bau- und
Handwerksmaterialien. In vielen Ländern, die früher wichtige
Tropenholzexporteure waren, liegt die Holzindustrie heute am Boden,
und sie müssen Holz einführen. Nach Jahren des Raubbaus sind die
Wälder leergeräumt oder verschwunden. Die Elfenbeinküste, Ghana und
Kamerun sind solch warnende Beispiele.
7. Sind die Urwälder überaltert und brauchen den Eingriff
des Menschen?
Die Regenwälder haben sich über Jahrmillionen ohne das Zutun des
Menschen entwickelt. Den Menschen brauchen sie nicht, aber wir
Menschen brauchen den Wald. Gerade die genutzten Holzarten und
Urwaldriesen sind wichtige Futter- und Brutbäume für die Tierwelt.
Werden die Bäume gerodet, verlieren die Tiere ihre Lebensgrundlagen.
Von den Tieren hängen wiederum viele Bäume ab. Sie verbreiten die
Samen im Regenwald. Verschwinden die Tiere, dann kann sich der Wald
nicht mehr ausreichend regenerieren und verarmt weiter. Durch die
vielen Lücken im Kronendach trocknet der Regenwald unter der
brennenden Tropensonne aus und ist anfällig für riesige Brände, wie
sie alljährlich auf Borneo oder am Amazonas wüten.
8. Können die Regenwälder überhaupt naturverträglich
bewirtschaftet werden?
Auf jeden Fall nicht mit Bulldozern und Kettensägen von
Holzindustrie und -handel. In den Waldgebieten der Erde leben 1,5
Milliarden Menschen. Die traditionellen Waldvölker haben bewiesen,
dass Regenwald naturverträglich genutzt werden kann. Dabei spielt
die Holzernte nur eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger sind
traditionelle Nutzungen für den lokalen Bedarf wie die Jagd und der
Fischfang, das Sammeln von Honig, Nüssen, Früchten, Ölen und Latex.
Die Holzindustrie ist nur am billigen Rohstoff und schnellen
Profiten interessiert, immer neue Primärwälder zu plündern,
verspricht höhere Gewinne.
9. Hauptsache Tropenholz aus legaler Herkunft?
In den Tropenländern ist illegaler Holzeinschlag Alltag und ein
großes Problem. Der wirtschaftliche Schaden geht in die Milliarden,
die ökologischen und sozialen Schäden sind wesentlich höher. Nach
Angaben der EU-Kommission stammt rund ein Fünftel der EU-Holzimporte
aus gesetzwidrigen Quellen. In wichtigen Exportländern ist der
Anteil des ohne Genehmigung geschlagenen Holzes besonders hoch, so
in Kamerun 50%, Brasilien und Indonesien 70 % und Kambodscha über 90
%. In Deutschland und EU sind Handel und Verkauf von illegal
eingeschlagenem Holz und daraus hergestellten Produkten nicht
verboten. Tagtäglich geht tausenfach die Hehlerware der
internationalen Holzmafia über die Ladentische deutscher Baumärkte
und Möbelhäuser, kommen ganze Schiffs- und Containerladungen mit
Diebesgut in den Häfen an. Als Konsument hat man keine Möglichkeit,
das zu überprüfen.
10. Ist Plantagenholz empfehlenswert?
Holzplantagen sind keine Wälder. Es handelt sich meist um riesige
industrielle Monokulturen mit exotischen Hölzern wie Eukalyptus,
Kiefer und Teak. Die Plantagen belegen enorme Landflächen, auf denen
vorher zumeist Wald und andere natürliche Ökosysteme wuchsen sowie
die lokale Bevölkerung lebte. Die Plantagen liefern zwar große
Mengen billigen gleichförmigen Holzes für die Industrie, erfüllen
aber keinerlei ökologische und soziale Funktionen. Die Holzqualität
ist nicht mit der aus natürlichen Herkünften vergleichbar. Die
gleichaltrigen und oftmals genetisch identischen (geklonten) Bäume
stehen dort in endlosen Reihen, werden gedüngt und mit Pestiziden
behandelt. Tieren und Pflanzen bieten sie praktisch keinen
Lebensraum. Sie sind biologisch tot und werden deshalb auch als
„grüne Wüsten“ bezeichnet. Mit großen Erntemaschinen werden sie
mechanisch gefällt, von Ästen befreit und für den Abtransport
gestapelt. Arbeitsplätze entstehen dadurch nur wenige.
11. Sind „Holz- und Waldsiegel“ empfehlenswert?
Es gibt mehr als 100 verschiedene „Holz- und Waldsiegel“. Selbst
Fachleute können kaum den Überblick behalten, geschweige denn diese
überprüfen. Die meisten „Siegel“ sind von der Industrie frei
erfunden und reiner Etikettenschwindel. Aber auch die wenigen
international gültigen Zertifikate wie FSC und PEFC können keine
ökologisch verantwortliche und sozial verträgliche
Waldbewirtschaftung gewährleisten. Die Standards wurden zu sehr den
Interessen der Industrie angepasst. In der Praxis ist zudem deren
Einhaltung und Überprüfung durch die von den Firmen beauftragten und
bezahlten Zertifizierer unzureichend. Eine wirklich unabhängige
Überprüfung ist so nicht möglich, und Betrugsfälle sind an der
Tagesordnung (siehe http://www.fsc-watch.org). Natürliche
Tropenwälder sind kaum zertifiziert, ebenso wenig die kommunalen
Wälder der Ureinwohner. Die komplizierten technischen Regelwerke
haben mit der Lebensrealität der Menschen wenig gemeinsam, und
Zertifizierung ist ein langwieriger und kostspieliger Vorgang..
12. Was kann ich tun?
Wer Tropenholz kauft, sollte sich über die Folgen im Klaren sein.
Die Regenwälder enthalten den größten Schatz der Menschheit. Nur die
Waldvölker kennen bisher die Gesetze dieser Vielfalt, während die
Wissenschaft bei der Erforschung der Regenwälder noch am Anfang
steht. Jetzt ist die Menschheit dabei, eine Bibliothek abzubrennen,
deren Regale voll sind mit geheimnisvollen Büchern, von denen wir
fast noch keines gelesen haben. Über die Hälfte der Tropenwälder ist
bereits vernichtet worden. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird es sie
in einer Generation nicht mehr geben. Kaufen Sie deshalb Möbel und
Holzprodukte aus heimischen Arten und Herstellung. Achten Sie auf
haltbare Produkte, die nach Jahren des Gebrauchs abgeschliffen,
verleimt und neu lackiert oder geölt werden können. Lassen Sie
Gartenmöbel und ähnliches nicht tagelang im Regen stehen. Im Bau und
Aussenbereich: Achten Sie auf konstruktiven Holzschutz.
Rettet den Regenwald e.V. / Klaus Schenck, Diplom-Holzwirt
Quelle:
www.regenwald.org
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