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Kleinkinder, Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere sollten
kein Wildfleisch verzehren. Darauf weist das Bundesinstitut für Risikobewertung hin. Der Grund: Die wilden Tiere werden mit Bleimunition erlegt, so dass das Fleisch mit Blei großflächig kontaminiert wird |
Kinder und Frauen während der Schwangerschaft sollten kein Wildbret
essen. Nahrungsmittel und Trinkwasser in Deutschland enthalten
sowieso schon vielmals höhere Bleikonzentrationen. Somit ist die
Bleiaufnahme über andere Lebensmittel bereits relativ hoch. Daher
könnte der Verzehr von Wildfleisch wie Reh, Hirsch oder Wildschwein
die Gesundheit der Konsumenten gefährden. Laut einige Untersuchungen
besteht „ein erhöhtes Risiko beim wöchentlichen Verzehr", erläuterte
der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung Professor
Andreas Hensel in Berlin. In einem hohen Maße sind Kleinkinder bis
zum siebten Lebensjahr und Ungeborene im Mutterleib gefährdet, „bei
denen bereits eine geringe Bleiaufnahme zu Gesundheitsschäden führen
kann“, sagte Hensel. Außerhalb dieser Risikogruppe besteht nur ein
geringes gesundheitliches Risiko, wenn das Wildtier nur in Maßen und
geringen Mengen gegessen wird. Dann sei das Gesundheitsrisiko
vernachlässigbar, so der Vorsitzende des „BfR“.
Die Behörde hat die Warnmeldung herausgegeben, weil neue
Datenerhebungen zu erweiterten Erkenntnissen gelangt sind. Daher
wurde nun eine neue Risikobewertung durch das BfR vorgenommen. Bei
der Jagd wird Bleischrot verwendet. Die Geschosse hinterlassen laut
Analysen Bleifragmente im erlegten Tier. Die Jagdgeschosse verformen
oder zersplittern beim Aufprall und bleihaltige Artikel und Splitter
lösen sich. Diese Fragmente verbleiben dann im Wildfleisch und
dringen tief ein. Das Argument, die Einschussstelle werde großzügig
herausgeschnitten, reicht nicht aus, um die Kontaminierung deutlich
zu minimieren. Die Bleibelastung ist dennoch Labortechnisch
nachweisbar. Zudem sind die Bleisplitter im Fleisch mit bloßem Auge
kaum erkennbar. Eine erhöhte Konzentration von Blei im Körper kann
die Blutbildung verändern, das zentrale Nervensystem und innere
Organe schädigen. Besonders Kinder können durch erhöhte
Konzentrationen Nervenschäden und Entwicklungsstörungen davontragen.
Blei wird nicht nur durch Wildfleisch aufgenommen, sondern auch
durch die Atemluft, Tabakrauch, Trinkwasser, Blei-Keramik-Geschirr,
Farb- und Rostschutzanstriche sowie über bleihaltige Künstlerfarben.
Der Schadstoff setzt sich in den Konchen, Muskeln und Gehirn ab und
wird dort Jahrelang gespeichert. Nach und nach sondert sich das Blei
ab, so dass Bleikonzentrationen im Blut auch Jahre nach der
Belastung nachweisbar sind. Selbst Säuglinge nehmen Blei im
Mutterbauch auf und Babys trinken es mit der Muttermilch.
Schon längere Zeit warnten Verbraucherschützer und Naturverbände vor
der Verwendung von bleihaltiger Jagdmunition. Angestoßen wurde die
Diskussion durch eine Studie des Leibniz-Instituts für Zoo- und
Wildtierforschung in Berlin. Die Forscher hatten herausgefunden,
dass Adler nach dem Verzehr von erlegten Tieren an einer
Bleivergiftung verendeten. Die Wissenschaftler konnten zudem die
massive Splitterwirkung nachweisen, wodurch sich das Blei im Körper
enorm verteilt. Immer wieder forderten Verbraucherschützer
Jagdverbände dazu auf, auf bleihaltige Munition künftig zu
verzichten. Der Deutsche Jagdverband wies die Kritik zurück und
warnte vor einer „Panikmache“. Im Oktober wolle man das BfR zu einer
Umfrage unter Jägern einladen. Diese soll insbesondere das
Verzehr-verhalten und die Verwendung von Jagdmunition klären. Der
Verband forderte die Industrie dazu auf, entsprechend neue Geschosse
ohne Blei zu konzipieren. In Deutschland werden pro Jahr und pro
Kopf durchschnittlich 600 Gramm Wildfleisch gegessen. Ein akute
Gefahr besteht vor allem für Jägerfamilien, die viel Wild verzehren.
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