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Was sind die zentralen Grundbedürfnisse eines Pferdes? |
Das Pferd benötigt, aufgrund seiner Entwicklungsgeschichte und
Spezialisierung, vor allem:
- Licht
- Luft
- ausreichend Bewegung
- soziale Kontakte zu Artgenossen
- Futteraufnahme-Möglichkeiten
Grob umrissen soll auf diese Punkte nachfolgend eingegangen werden.
Licht
Mit Licht ist hier natürlich natürliches Licht, d.h. Sonnenlicht
gemeint. Auch bei bedecktem Himmel ist der lebensnotwendige
UV-Anteil vorhanden, Der gesamte Stoffwechsel des Lebens als auch
die Fruchtbarkeit sind abhängig von der Tageslichtdauer.
Der Licht-Bedarf des Pferdes ist bei Weitem höher, als der des
Menschen, weshalb der Mensch irrtümlicherweise seinen Tages-Rhythmus
auf das Pferd überträgt. Dem Pferd sollte man weitaus mehr an
natürlichem Licht gönnen, als wir Menschen uns zugestehen würden.
Temperatur
In direktem Zusammenhang mit der Sonneneinstrahlung steht auch die
Umgebungstemperatur. Pferde haben eine sehr große Temperaturtoleranz
und können sich an jahreszeitliche und tageszeitliche Schwankungen
leicht anpassen - es sei denn, diese Fähigkeit ist durch langjährige
Stallhaltung und regelmäßiges Eindecken verkümmert.
Sonnenlicht und Temperaturreize sind entscheidend für ein gut
funktionierendes Immunsystem.
Luft
Saubere, frische Luft zum Atmen ist für Pferde mindestens genauso
wichtig, wie für uns. Entscheidend ist ein ausreichender
Sauerstoffgehalt und die Abwesenheit von Schadgasen (Ammoniak) und
Schadstoffen (Schimmelsporen) - wie sie in Mist und Einstreu
entstehen. Hinzu kommt, dass Pferde für die Gesunderhaltung des
Atmungsapparats ihre Lungen trainieren müssen und folglich viel
Bewegung an der frischen Luft benötigen. Das Pendeln zwischen
geschlossenem Stall und staubiger Reithalle reicht dazu nicht aus!
Viele Besitzer schützen Ihre Pferde übertrieben ängstlich vor
Zugluft. Pferde sind jedoch ausgesprochen widerstandsfähig gegen
Luftbewegung und im Gegenteil, sogar in gewissem Maße darauf
angewiesen. Wichtig hierbei ist lediglich, dass der gesamte Köper
vom Luftstrom getroffen wird und nicht nur kleine Körperpartien (wie
bei punktuellem Zug). Dann nämlich kann das Pferd seine körpereigene
Temperaturregulation daran anpassen.
Selbst bei verschwitzten Pferden ist es wichtiger, Fellfunktion und
Körpertemperatur zu normalisieren, anstatt mit einem dauerhaften
Kälteschutz (Stall und Decke) den Stoffwechsel zu beeinträchtigen.
Bewegung
Der Bewegungsapparat des Pferdes ist darauf ausgerichtet, dass es
den ganzen Tag immer wieder kleine Schritte macht - 16 Stunden am
Tag beim Grasen.
Zusätzlich werden in der Natur größere Wegstrecken bewältigt oder
die Flucht ergriffen. Hufe und Gelenke brauchen diese ständige
"Benutzung", damit Blutzirkulation und Austausch der
Gelenkflüssigkeit gewährleistet sind. Auch Muskeln, Sehnen und
Bänder werden dadurch elastisch erhalten.
Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Pferde in Gruppenhaltung
(Offenstall, Paddock, Weide) 3-10 km pro Tag fortbewegen.
Hierbei ist die Art des Untergrundes nicht unerheblich - tief
aufgewühlter Matsch oder glatter Betonboden sind
verletzungsträchtig, insbesondere wenn große Flächen zum Rennen
einladen und Alternativen fehlen.
Tipp: Teilbereiche mit Hackschnitzel- oder Sandbelag werden von den
Pferden gut angenommen, auch wenn für stark frequentierte Wege aus
arbeitswirtschaftlichen Gründen andere Befestigungen bevorzugt
werden.
Sozialkontakt zwischen Artgenossen
Das Herden- und Fluchttier Pferd fühlt sich nur in Gesellschaft
anderer Pferde sicher. Die Herde bot ursprünglich Schutz gegen
Fressfeinde. Aber das Zusammenleben erfordert gewisse Regeln - wie
z.B. das Einfügen in eine Rangordnung, das Verstehen von
Drohgebärden, das Beherrschen von Demutsgesten. Die passenden
Verhaltensweisen können am besten vom Jungtier in Gesellschaft
erlernt werden.
Erwachsene Pferde können dies nur unvollständig nachholen.
Pferde, die ein unzureichendes Sozialverhalten gelernt haben, sind
häufig zerrissen zwischen dem angeborenen Herdendrang und ihrer
Angst vor dem Verhalten anderer Pferde. Dadurch stehen sie beständig
unter Stress.
Beengende Haltungsbedingungen (Boxenhaltung oder enge Paddocks)
verursachen ebenfalls Stress - sie erzwingen eine zu geringe
Individualdistanz gegenüber ranghöheren Pferden. Die Folgen sind
vermehrt aggressives Verhalten und erhöhte Verletzungsgefahr.
Viele Halter kennen ihre Pferde nur unter diesen beengten
Bedingungen bzw. in Gruppen ohne gefestigte Rangordnung. Dadurch
hält sich hartnäckig der Irrtum, dass Herdenhaltung automatisch
Stress und Verletzungsgefahr für die Pferde bedeutet. Aber die
dauerhaft auferlegte Isolierung von den Artgenossen kann keine
Lösung im Sinne des Pferdes sein. Viele so genannte Stall-Untugenden
entstehen ursächlich durch Mängel in der Haltung, der Vergleich zu
Hospitalismus beim Menschen ist durchaus angebracht.
Überall wird von artgerechter Haltung gesprochen - aber wann
ist Pferdehaltung artgerecht?
Unter artgerecht versteht man Haltungs- (und Umgangsformen), die
sich an den spezifischen Bedürfnissen und Verhaltensweisen einer
Tierart orientieren.
Seit einigen Jahrzehnten setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch,
dass auch der Mensch von der artgerechten Haltung unserer Haustiere
profitiert. Unsere Haustiere sind dauerhaft gesünder, langlebiger
und leistungsfähiger, je besser ihre Umgebung derjenigen entspricht,
an die sich die Art entwicklungsgeschichtlich angepasst hat.
Das Pferd wird als Lauf-, Herden- und Fluchttier charakterisiert, es
hat sich über etliche Entwicklungsstufen an seine Umweltbedingungen
angepasst und sich auf eine Lebensweise als Steppentier
spezialisiert. Wie alle hoch spezialisierten Arten ist es dadurch
anfällig geworden für Umwelteinflüsse, die stark von den
ursprünglichen abweichen.
Ein freies Leben in der Steppe können wir unseren Haus- und
Reitpferden natürlich niemals bieten, aber die daraus entstandenen
Bedürfnisse können wir erkennen und weitestgehend auch unter
hiesigen Bedingungen befriedigen.
Artgerecht heißt also nicht "genau so wie in freier Wildbahn" - was
leider häufig missverstanden wird und dann Matschkoppeln oder
überbevölkerte Paddocks zur Folge hat.
Artgerecht bedeutet vielmehr "die arteigenen Ansprüche möglichst gut
zu erfüllen". Wo nötig, wird passender Ersatz für fehlende
natürliche Bedingungen geschaffen. Einfache Maßnahmen können der
freie Blick nach draußen sein oder die Möglichkeit zur
Kontaktaufnahme mit dem Nachbarpferd. Um dauerhaft psychisch und
physisch gesunde Pferde zu haben, ist natürlich die Gesamtheit der
Bedürfnisse zu berücksichtigen!
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