Schluss mit Qualzuchten!![]() |
Extrem-Zucht bereitet Tieren lebenslange Qualen
Ob knautschiges Mopsgesicht oder haarlose Nacktkatze: Viele Tiere werden bis ins Extreme gezüchtet. Dafür bezahlen sie einen hohen Preis.
Französische Bullterrier mit Atemnot und Perserkatzen mit permanent tränenden Augen: Bei manchen Haustieren werden aus Gründen der Schönheit und des Aussehens bestimmte Merkmale bis ins Extreme gezüchtet.
Für die Tiere, die aus solchen sogenannten Qualzuchten stammen, bringt das mitunter starke gesundheitliche Probleme mit sich - und hohe Tierarztkosten für den Halter.
Während bei Nutztieren Qualzuchten vor allem zu mehr Erlös wie mehr Milch oder Fleisch führen sollen, ist die Situation bei Haustieren eine andere. „Über Jahrtausende hatten Hunde einen festen Job und waren unter anderem damit beschäftigt, Vieh zu treiben oder bei der Jagd zu helfen“, erklärt Prof. Gerhard Oechtering, Leiter der Klink für Kleintiere der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig.
Durch die industrielle Revolution sei das verschwunden. „Stattdessen wurde angefangen, für Wettbewerbe nach Schönheit zu züchten.“




Züchten für die „Schönheit“
Bis heute werden Hunde auf Ausstellungen nach den sogenannten
Rassestandards bewertet. „Die darin festgelegten
Körperbeschreibungen sorgen dafür, dass bei manchen Rassen äußere
Merkmale überbetont und bis ans Limit herausgezüchtet werden“, fügt
der Tierarzt hinzu. Das führe bei den Tieren oft zu starken
gesundheitlichen Einschränkungen.
Immer wieder in die Kritik gerät die Zucht der sogenannten
brachyzephalen Rassen, zu denen der derzeitige Modehund Mops und die
französische Bulldogge gehören. „In vielen Fällen werden bei denen
das Gesicht und die Nase immer kürzer gezüchtet, damit sie noch mehr
dem Kindchenschema entsprechen“, erklärt Angela Bartels,
Fachtierärztin für Verhaltenskunde und Tierschutz von der
Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Allerdings habe das zur Folge, dass viele dieser Hunde durch eine
Verengung der Atemwege schlecht Luft bekämen und Probleme mit der
Temperaturregulation hätten.
Eine Operation zur Behebung der Atemwegverengungen kostet laut
Oechtering, der diese Eingriffe so gut wie täglich durchführt, in
etwa soviel wie drei Möpse - also rund 3000 Euro.
Von einer Qualzucht können aber auch andere Rassen betroffen sein.
„Der alte Schäferhund beispielsweise hatte eine quadratische
Körperform, um die Zugkräfte am besten umzusetzen“, erklärt Karl
Fikuart, Vorsitzender des Ausschusses für Tierschutz der
Bundestierärztekammer in Berlin.
Heute falle sie dagegen von vorn nach hinten ab. „Das soll eine
permanente Sprungbereitschaft andeuten, aber es führt vor allem zu
Hüft- und Wirbelsäulenproblemen.“
Doch es sind nicht nur Hunde, bei denen Qualzuchten vorkommen. „Der
kurze Kopf bei Perserkatzen führt beispielsweise dazu, dass den
Tieren ständig Tränenflüssigkeit aus den Augen fließt und sie zu
eitrigem Schnupfen neigen“, erläutert Fikuart. „Die sogenannten Rag
Doll Cats hingegen hängen wie ein Lumpen im Arm, weil die Reflexe
weggezüchtet wurden - das soll anschmiegsamer wirken.“
Bei den Heimtieren sei unter anderem mit dem Gibber eine
Kanarienvogelart betroffen, der wie eine Eins auf der Stange sitzen
soll. Es gebe Goldfische, bei denen die Glotzaugen fast außerhalb
des Körpers lägen, und die sogenannten Nacktkatzen und
-meerschweinchen, die je nach Situation zu schnell erhitzen oder
auskühlen würden.

Egal, um was für ein Haustier es sich handelt, es ist in jedem Fall
wichtig, sich vorab über die gewünschte Rasse zu informieren. „Die
meisten tun das aber offenbar nicht, sondern achten nur auf
Äußerlichkeiten und finden bestimmte Merkmale einfach süß“, sagt
Tierärztin Bartels
Hohe Kosten für Tiere aus
Qualzuchten
Wer doch ein Tier aus einer Qualzucht erwischt, müsse aufgrund
zahlreicher Tierarztbesuche und möglicher Operationen häufig mit
hohen Kosten rechnen.
Besonders genau sollte hingesehen werden, wenn eine Hunderasse
gerade im Trend liegt und daher in großer Anzahl gezüchtet wird.
„Wenn man sich einen Rassehund anschaffen möchte, dann kann es schon
einmal sehr hilfreich sein, sich vorab mit anderen Haltern und einem
Tierarzt zu unterhalten“, sagt Fikuart.
Außerdem solle das Tier nur von einem Züchter gekauft werden, zu dem
man das vollste Vertrauen habe. Nicht alle Züchter arbeiteten
unseriös.
Quelle: Welt online, www.welt.de
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