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Statistiken zeigen: der Vegetarismus wird in Deutschland immer populärer, die Zahl der Vegetarier steigt. Woher kommt dieser Trend? |
Vegetarier gibt es in Deutschland schon seit langem. Bereits im 19.
Jahrhundert gab es vereinzelt Verbände von Vegetariern. Aber nie gab
es in Deutschland so viele Menschen, die ohne den Verzehr von
Fleisch lebten, wie heutzutage.
Zahl der in Deutschland lebenden Vegetarier wächst
Das zeigt sich auch an den Mitgliederzahlen des "Vegetarierbunds",
einer deutschen Organisation von und für Vegetarier: in den letzten
zwei Jahren vermerkte diese einen Mitgliederzuwachs von 30 %. Von
knapp 1500 Mitglieder, die die Organisation vor 15 Jahren hatte, ist
sie nun auf ca. 2750 herangewachsen.Das zeigt deutlich, dass die
vegetarische Ernährung immer populärer unter den Deutschen wird.
Auch andere Statistiken sprechen dafür, dass es in Deutschland einen
Trend zu einer vegetarischen Lebensweise gibt. So waren 1983 nur
etwa 0,6 % der Deutschen Vegetarier. Inzwischen soll diese Zahl sich
mehr als verzehnfacht haben: nach einer Statistik des
"Vegetarierbundes" von 2008 leben in Deutschland etwa 6 Millionen
Vegetarier, was 8 % der
Deutsche Vegetarier belegen
in EU-Statistik den ersten Platz
Damit ist Deutschland zusammen mit der Schweiz das Land mit dem
höchsten Vegetarieranteil Europas. Mit Indien, dem Land in dem mit
Abstand die meisten Vegetarier leben, nämlich 40 %, kann Deutschland
zwar nicht mithalten, aber im Vergleich zu den anderen Ländern
Europas schneiden wir doch recht gut ab. So verzichten in
Großbritannien etwa 6 % , in Frankreich und Belgien nur etwa 2 % und
in Portugal sogar nur 0,3 % der Menschen auf Fleisch. Dieses
Ergebnis mag im Schnitzel- und Rouladenland Deutschland vielleicht
überraschen, lässt sich möglicherweise aber damit erklären, dass die
traditionelle deutsche Küche langsam verdrängt wird, vor allem von
der italienischen und asiatischen Küche, die weniger fleischlastig
ist.
Woher kommt der Trend zum
Vegetarismus?
Bei vielen Menschen ist vor allem nach den Lebensmittelskandalen
der letzten Jahren eine Bereitschaft spürbar, ihr Essverhalten zu
ändern und den Fleischkonsum einzuschränken. Die Verunsicherung über
die Herkunft der Ware wird zunehmend größer und viele fürchten, dass
die Qualität des Fleisches, das es im Supermarkt zu kaufen gibt,
immer weiter abnimmt. Hinzu kommt die Angst vor gesundheitlichen
Schäden durch Gammelfleisch oder Schweinepest. Nach den BSE-Fällen
von 2001 war beispielsweise ein starker Anstieg der Zahl der
Vegetarier in Deutschland zu spüren. Nun ist es sehr wahrscheinlich,
dass aufgrund des aktuellen Dioxin-Skandals sich auch in den
nächsten Monaten wieder viele Menschen für eine vegetarische
Lebensweise entscheiden.
Insgesamt scheint in Deutschland das Verlangen nach gesünderem Essen
stärker zu werden. Das Angebot von Fertiggerichten und Fastfood wird
mit jedem Tag größer und viele Menschen sehnen sich nach einer
gesünderen Ernährunsweise. Dies bedeutet für die meisten, weniger
Fleisch zu essen oder komplett darauf zu verzichten.
Auf die wachsende Zahl der Vegetarier hat auch die
Lebensmittelindustrie in den letzten Jahren reagiert. In vielen
Supermärkten lässt sich heute eine große Auswahl von dem finden, was
man früher höchstens in Naturläden und Reformhäusern gefunden hat,
nämlich Fleischersatzprodukte wie Tofu, die das vegetarische Kochen
vereinfachen sollen. Selbst McDonalds, einer der größten Kunden der
Fleischindustrie, ist diesem Trend gefolgt und hat einen
Gemüseburger, den sogenannten "Veggie-Burger", auf den Markt
gebracht. Es ist also heute deutlich leichter vegetarische
Alternativen zu den Lieblingsgerichten zu finden, was sicher auch
ein Grund für die wachsende Zahl der Vegetarier ist.
Frauen häufiger Vegetarier
als Männer
Bemerkenswert ist, dass der Anteil der Frauen, die kein Fleisch
essen, den der Männer wesentlich übersteigt. So waren nach einer
Umfrage der Zeitschrift "Natur-Aktiv" im Jahre 2006 13 % der
deutschen Frauen Vegetarier, aber nur 3 % der Männer in Deutschland
entschieden sich für eine fleischlose Ernährung.
Dies liegt hauptsächlich an den noch immer in unserer Gesellschaft
vorherrschenden Klischees, dass Fleisch stark macht, männlich ist
und für Macht steht. Vor allem moderne Männer neigen zu einer
fleischlosen Ernährung, während die konservativen, traditionellen
Männer den Fleischgenuß eher befürworten. Aber nicht nur der Anteil
männlicher und weiblicher Vegetarier unterscheidet sich sehr,
sondern auch deren Gründe.
So haben Frauen meist empathische Motive, sie empfinden Mitleid mit
den Tieren auf ihren Tellern oder wünschen sich eine bessere
Behandlung für Tiere aus Massentierhaltungen. Ein weiterer Grund für
Frauen, kein Fleisch mehr zu essen, ist die Gesundheit und der
Wunsch sich bewusster zu ernähren.
Männern hingegen geht es hauptsächlich um die Gerechtigkeit
gegenüber den Ländern, in denen die Menschen hungern. Diese könnten
mit dem Getreide, das für die Viehfütterung verwendet werden, was
fast 70 % der weltweiten Getreideproduktion entspricht, ernährt
werden. Auch der Klimawandel spielt eine Rolle, da viele
Treibhausgasemissionen durch die Produktion von tierischen
Lebensmitteln entstehen, vor allem durch Rinderhaltung, da Kühe sehr
viel Methan ausstoßen.
Insgesamt wächst die Zahl der Vegetarier, ob männlich oder weiblich,
weiter an, nach Angabe des "Vegetarierbundes" derzeit sogar etwa um
4000 Personen jede Woche. Für die Tiere, das Klima und die
Gerechtigkeit in der Welt bleibt zu hoffen, dass dieser Trend
anhält.
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