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Bio klingt nach Essen, das schmeckt und die Umwelt schützt. Doch in vielen Fällen sind die Bio-Produkte sogar schädlicher als gewöhnliche. Mit gefährlichen Folgen für die Gesundheit. |
Überall in Deutschland gibt es ein großes
Angebot an Bio-Produkten. Bio klingt gut und gesund. Nach frischer
Milch und Äpfeln, die beim Bauern eben vom Baum gefallen sind. Nach
glücklichen Hühnern und Essen, das schmeckt und nebenbei die Umwelt
schützt. Doch Bio ist nicht gleich Bio. Manchmal sind konventionelle
Produkte sogar umweltfreundlicher.
Die sieben dreistesten
Bio-Lügen.
Lüge 1: Bio-Gemüse ist unbehandelt
Falsch! Beim biologischen Anbau wird zwar generell auf den Einsatz
von Pestiziden verzichtet. Dennoch wird in der Bio-Landwirtschaft,
etwa beim Wein- und Obstanbau, teilweise Kupfer gegen pilzliche
Erreger eingesetzt. „Bei Pflanzen nehmen Pilze stark zu, deshalb
benutzt man Kupfer“, sagt der Wormser Umweltmediziner Peter Germann.
Kupfer wird in der Leber abgelagert. „Wer zu viel Kupfer im Körper
hat, kann Migräne, Depressionen und Probleme mit dem
Eisenstoffwechsel bekommen.“
Experten vermuten auch, dass Alzheimer durch Kupfer gefördert wird.
Trotzdem kommt die Bio-Landwirtschaft nicht um Kupfer herum. „Würde
kein Kupfer verwendet, wären die Einbußen zu groß und die
Bio-Produktion völlig unrentabel“, sagt
,
Chemieexperte von Greenpeace. Weil Kupfer auch die Böden belastet
und noch unklar ist, inwieweit Verbraucher das ins Grundwasser
gesickerte Kupfer über das Trinkwasser aufnehmen, fordert Greenpeace
den Gesetzgeber auf, nach Alternativen zu suchen. „Aber dafür muss
die Politik Gelder zur Verfügung stellen.“
Lüge 2: Bio-Essen ist CO2-freundlicher
Auch wenn
sich das viele Bio-Kunden nicht vorstellen können: „Es gibt
herkömmliche Lebensmittel, die eine bessere CO2-Bilanz haben als
Bio-Produkte“, sagt
von Foodwatch. Beispiel Rindfleisch: In der
Öko-Landwirtschaft bekommen die Tiere spezielles Futter, sie leben
länger und stoßen dadurch mehr Klima-Gase aus, auch der
Flächenbedarf ist größer. Foodwatch hat in einer Studie den
Klimaeffekt von Lebensmitteln mit dem CO2-Ausstoß beim Autofahren
verglichen. Ergebnis: Ein Kilo konventionell erzeugtes Rindfleisch
entspricht 70,6 gefahrenen Kilometern, dieselbe Menge
Bio-Rindfleisch hingegen 113,4 Kilometern. „Wer also das Klima
schützen will, sollte generell nicht so oft Rindfleisch essen“, sagt
Rücker.
Lüge 3: Wo Bio draufsteht,
ist 100 Prozent Bio drin
Von wegen!
Auf dem Pestoglas ist ein riesiger Bund Basilikum und eine Flasche
Olivenöl abgebildet – im Produkt ist aber davon fast nichts zu
finden: Diesen Etikettenschwindel gibt es auch im Bio-Segment. „Der
ehrliche Anbieter ist leider oft der Dumme“, sagt Rücker. Foodwatch
zeigt auf der Homepage „Abgespeist – denn Etiketten lügen wie
gedruckt“ (www.abgespeist.de), wie Verbraucher betrogen werden. „Es
wird auch Schindluder mit dem Bio-Siegel getrieben“, sagt Rücker.
Aktuelles Beispiel: das Bio-Getränk „Beo Heimat“ von Carlsberg. Auf
dem Etikett stehen Begriffe wie beo (lateinisch beglücken), Heimat,
Apfel und Birne, von Carlsberg als ein Produkt „in ausgezeichneter
Bio-Qualität“ beworben. „Der Konsument erwartet ein Getränk, das
Äpfel und Birnen aus Bio-Produktion enthält. Tatsächlich sind allein
der enthaltene Zucker und der Gerstenmalz-Extrakt bio. Darüber
hinaus sind nicht einmal Früchte drin, sondern nur Aromen.“
Lüge 4: Bio aus der Region
ist besser
Gängiges
Argument der Natur-Anhänger: Mit Bio-Produkten aus der Region
unterstützt man automatisch den Klimaschutz. Schließlich sorgen
kurze Anfahrtswege für weniger CO2-Emissionen. Falsch gedacht. Äpfel
aus Neuseeland können eine bessere Klimabilanz haben als deutsche.
Warum? Weil wir das ganze Jahr Äpfel essen, aber nicht immer
Apfel-Saison ist. Also müssen die Früchte in Deutschland gelagert
und gekühlt werden mit teils massivem Aufwand. Ist in Neuseeland
gerade Apfel-Ernte, kann eine Ladung, die mit dem Flugzeug geliefert
wird, durchaus weniger CO2 verursachen. „Es ist zwar ein guter
Gedanke, regionale Produkte zu unterstützen. Aber die Verbraucher
sollten auch darauf achten, saisonale Produkte zu kaufen. So können
sie das Ungleichgewicht verhindern“, sagt
.
Lüge 5: Bio kommt vom
Bauernhof
Unsinn!
Auch Bio kann aus industrieller Produktion kommen. Denn Bio ist
nicht gleich Bio, und das liegt an der EU-Ökoverordnung. Die gibt
nur Mindeststandards vor, die eingehalten werden müssen. Verbände
wie Demeter, Bioland oder Naturland erfüllen zwar freiwillig höhere
Anforderungen – viele andere aber „nur“ die Mindestanforderung. So
regelt das Bio-Siegel zum Beispiel keine Bestandsobergrenze in der
Tierhaltung. Das heißt, es schreibt nicht vor, wie viele Tiere
maximal in einem Betrieb gehalten werden dürfen. Die Verordnung
begrenzt die Tierzahl nur indirekt: Die erlaubte Tierzahl ist an die
Fläche gebunden. „Wer viel Platz hat, kann also viele Tiere halten“,
sagt Claudia Salzborn, Fachreferentin des Deutschen
Tierschutzbundes. „Die Tiere leben nicht immer so idyllisch, wie
sich das die Konsumenten vorstellen.“
Lüge 6: Bio hat keine
Zusatzstoffe
Ein weit
verbreiteter Irrglaube. Während bei konventionellen Lebensmitteln
rund 320 Zusatzstoffe zum Einsatz kommen, sind bei Bio-Produkten
immerhin 47 erlaubt. „Darunter auch recht problematische Substanzen
wie das umstrittene Mittel Carragen (E407)“, sagt
. Das Mittel verdickt die Substanz, der es
zugesetzt wird. Es wird häufig verwendet, um zu verhindern, dass
sich bei Milchprodukten oben Rahm absetzt. Die Substanz wird aus
Rotalgen gewonnen und führt im Tierversuch zu Geschwüren und
Veränderungen im Immunsystem.
Auch Nitritpökelsalz darf in der Bio-Produktion verwendet werden.
„Nitrit steht im Verdacht, dass sich daraus im Magen krebserregende
Nitrosamine bilden können“, sagt Rücker. „Es gibt keinen
Zusatzstoff, der nicht verzichtbar wäre. Aber natürlich wäre die
Herstellung der Lebensmittel dann erheblich teurer.“ Nitritpökelsalz
wird in sehr vielen Bio-Produkten verwendet. „Es sorgt für die
typische rosa Farbe bei Fleischprodukten.“
Lüge 7: Bio kann gut und
billig sein
Immer mehr
Discounter schwimmen auf der Biowelle mit und bieten Bio zu
Dumpingpreisen an. Ist es möglich, Bio zu günstigen Preisen
anzubieten? Die Experten sind skeptisch. Der Bio-Großhandel kann
zwar dazu führen, dass die Umsätze mit Bio-Waren steigen und so die
Preise sinken. Wer aber einen biologischen Wein für drei Euro kauft,
sollte bedenken, dass er sich dadurch auch ein Stück vom
Bio-Gedanken trennt. Denn das Bio-Siegel schreibt nicht vor, woher
ein Produkt kommen muss. „Und so importieren Discounter ihre Zutaten
aus Preisgründen auch aus China“, sagt Rücker. „Dessen sollten sich
Kunden bewusst sein.“
Quelle: Abendzeitung München
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