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Schuss – und tot.
Das wäre wahrscheinlich weidgerecht.
Doch die Realität sieht häufig anders aus. Insbesondere dann, wenn
sich das Ziel bewegt.
So berichtet beispielsweise die Tierärztliche Vereinigung für
Tierschutz (TVT), dass bei Drückjagden auf Wildschweine in Hessen
nur etwa ein Drittel mit Blattschuss erlegt wurden. Mehr als 60 %
der Tiere hatte man dagegen entweder den Kiefer weggeschossen, ein
Bein zersplittert oder mit Bauchschuss oder am Rückenmark schwer
verletzt. Besonders kritisch sei auch das Schießen auf Rehwild im
Rahmen von Bewegungsjagden. Denn flüchtendes Rehwild könne aufgrund
seiner arttypischen Bogensprünge nicht sicher getroffen werden.
Ein Nachsuchenführer bestätigt: „Bei den meisten Schüssen auf
Drückjagden werden Äser-, Gebrech- und Keulenschüsse einfach in Kauf
genommen. Bei den heute üblichen Bezahljagden in den Forsten erlebt
man die übelsten Aasjäger." Auch beim Deutschen
Landwirtschaftsverlag erfährt man, dass bei Bewegungsjagden nur 25 –
30 % der Tiere durch Blattschuss erlegt werden.
„Viele der „angebleiten" Tiere werden auch bei Nachsuchen nicht
aufgefunden – wenn diese überhaupt durchgeführt werden", erläutert
Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland, „denn viele Jäger
verheimlichen den Mitjägern mögliche Fehlschüsse, während schwer
verletzte Tiere irgendwo im Dickicht verbluten oder verhungern."
Die Anzahl der Bewegungsjagden hat in den vergangenen Jahren
zugenommen. Waldbesitzer, Bauernverbände und politisch
Verantwortliche in den Ministerien fordern intensiv gegen die
vermeintlichen „Waldschädlinge" vorzugehen. Sie halten
revierübergreifende Bewegungsjagden für das Mittel der Wahl. „Wald
vor Wild" heißt die Prämisse.
Die Realität wird ausgeblendet.
Unsägliche Tierquälereien werden in Kauf genommen. Großräumig -
selbst während der Winterruhe - wird das gesamte Wild
beunruhigt. Der Schütze selbst ist vollkommen überfordert: Innerhalb
von Sekunden muss er entscheiden, ob es sich beim flüchtenden Tier
um ein weibliches Reh oder ein Schmalreh (junges Tier), um einen
abgeworfenen Rehbock (Rehbock ohne Gehörn) oder um Rehkitze handelt,
eine Leitbache oder einen nicht (Nachwuchs) führenden Überläufer.
Fehlschüsse sind vorprogrammiert. Dazu der Erfolgsdruck und das
eigene Unvermögen, das flüchtende Tier zielsicher zu treffen.
Regelmäßige Schießnachweise werden von Jägern nicht gefordert. Die
Wenigsten nutzen entsprechende Angebote, ihre Treffsicherheit zu
trainieren.
Ziel der Bewegungsjagden ist es, innerhalb kurzer Zeit möglichst
viele Tiere zu töten. Oft rücken einige Dutzend Jäger und Treiber
mit ihren Hunden zur Drückjagd an, manchmal umfasst die
Jagdgesellschaft auch mehrere Hundert Personen. Die Zeitschrift
„Wild und Hund" bezeichnet diese Art von Jagd als „Totmacher" und
stellt in Frage, ob es sich hierbei noch um Jagd oder nur noch um
Schädlingsbekämpfung handelt.
Was Politiker landauf, landab fordern ist reine Symptombekämpfung.
Dass dadurch überhaupt nichts erreicht wird, zeigt der Blick in die
Statistiken. Trotz - oder vielleicht gerade wegen -
intensiverer Verfolgung gerade des Schwarzwildes steigen die
Bestände seit Jahrzehnten kontinuierlich an. Die Ursachen der hohen
Wildbestände haben zu einem großen Teil die Jäger selbst zu
verantworten: die Zerstörung der Sozialverbände des Schwarzwildes
führt zum Aussetzen der natürlichen Bestandskontrolle. Tonnenweise
Futtermittel wirken sich positiv auf die Reproduktionsraten der
Tiere aus. „Noch mehr Jagd ist nicht zielführend" ist sich
Kauertz sicher, „weniger ist mehr – das gilt für die Jagd wie für's
Füttern." Ein weiterer Ansatzpunkt zur Eindämmung von Wildschwein-
und Rehbeständen sei die gezielte Empfängnisverhütung in punktuell
auffälligen Regionen."
Quelle:
www.wildtierschutz-deutschland.de
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